Fluchtgespräche

Das Projekt

Fluchtgespräche für Flöte und vier SprecherInnen.
Ein Musikvermittlungsprojekt zum 100sten Geburtstag des südkoreanischen Komponisten Isang Yun.

Aktuelles:
Bericht in der Berner Zeitung vom 31.5.2017
Programmheft der Diplomaufführung vom 29.05.2017 (PDF)


WAS

„Fluchtgespräche" ist eine 23minütige Klangcollage mit Musik von Isang Yun und autobiografischen Texten des Komponisten und vor zehn Jahren in die Schweiz geflüchteter Jugendlicher.

Musik: Etüden 1–3 für Flöte Solo von Isang Yun
Texte aus: „Der verwundete Drache – Leben und Werk des Komponisten" von Luise Rinser und Isang Yun,
„Hoi. Ich erzähle meine Geschichte" von AutorInnen der BVS Biel, unveröffentlicht
zur Projektidee...

WARUM

Ziel des Projektes ist u.a.: Haltungen Neuer Musik und dem „Fremden“ generell gegenüber in Frage zu stellen, Neugier für unbekannte Klangwelten zu wecken, die verschiedenen Querflöten vom Piccolo bis zur Altflöte kennenzulernen und die Verbindung von Musik und Lebensgeschichten als bereichernde Dimension zu erfahren.

Es braucht einen Effort des Hörers oder der Hörerin, die Ohren zu spitzen und sich mit der Musik von Isang Yun und den ungewohnten, teilweise unangenehmen und schrillen Klängen auseinanderzusetzen und sich darauf einzulassen. Auf der Erzählebene passiert etwas Ähnliches: Fremde, geflüchtete Menschen kommen aus einem fremden Land, einer anderen Kultur hierher auf der Suche nach Sicherheit und einer neuen Heimat. Auch in diesem Fall braucht es Neugierde, Offenheit und eine gewisse Anstrengung unsererseits, sich auf diese Menschen und ihre Bedürfnisse einzulassen, sich mit ihnen zu beschäftigen und sie als Teil unserer Gesellschaft wahrzunehmen.

Für wen

Ansprechen möchte ich mit diesem Konzept Menschen, die sich bisher noch nicht oder nur wenig mit Neuer Musik beschäftigt haben oder die dem Thema „Flüchtlinge“ gegenüber vielleicht eher kritisch eingestellt sind. Des Weiteren könnten auch Museen und andere Veranstalter aus programmatischen Gründen am Stück interessiert sein. Ich testete „Fluchtgespräche“ in zwei unterschiedlichen Settings mit je zwei verschiedenen Zielgruppen: Einerseits in einem ländlichen Umfeld mit einer gemischten ländlichen Zuhörerschaft und andererseits in einem schulischen Umfeld in stadtnaher Umgebung mit Gymnasiastinnen und Gymnasiasten und deren Lehrpersonen (z.B. als Praxisbeispiel für Neue Musik im Fach Musikgeschichte). mehr...

WIE

„Fluchtgespräche“ kann in verschiedenen Formaten aufgeführt werden: Es funktioniert a) als Hörstück b) als Liveperformance mit allen fünf PerformerInnen und c) als Ein-Frau-Stück mit Liveflöte und Stimmen ab Tonband.

WER

Salome Böni, Flöte(n) & Konzept
Julian Anatol Schneider, Sprecher
Katharina Kessler, Sprecherin
Lara Marian, Sprecherin
Sophie Bock, Sprecherin
Biografien...

Trailer


Statements


„Es berührt einen, weil man die Atmosphäre des Alleinseins, des „Nicht-gut-Habens“, „Traurig-sein“, „Verlassen-sein“ deutlich spürt. Die Musik verdeutlicht diese Gefühle. Manchmal schauderte es mich.“
(Elena, 17-jährige Gymnasiastin)

„Es wird einem bewusst, wie sorglos wir hier leben und eigentlich keine Ahnung haben, dass wir uns wegen Kleinigkeiten beschweren.“
(Katrin, 79, Hausfrau)

„Es bewirkte ein ‚Sich-gegen-Innen-kehren’. Es hat mich sofort an Menschen erinnert, die ich kenne, an Menschen, die ebenfalls einen Fluchthintergrund haben.“
(Helene, 40, Pflegefachfrau)

„Also das waren keine schönen Geschichten. Ich fände es schlimm, in dieser Situation zu sein. Wo wäre ich dann? Ich würde meinen Vater nicht sehen, ich müsste denken, er sei vielleicht gestorben, das Zuhause wäre kaputt und man weiss nicht, wo man hingehört. Ja, wir haben es wirklich gut hier.“
(Jorim, 10, Schüler)

„Thematisch hat das Projekt den Nerv der Zeit getroffen. Es ist ein endloses Thema. Der Mensch ist immer irgendwo auf der Flucht, auf der Suche nach einem sicheren Ort.“
(Helene, 40, Pflegefachfrau)

„Ich habe als Polizist keine Entscheidungsfähigkeit, wer ins Land kommen darf und wer nicht. Wir haben eine Vorlage, an die wir uns halten müssen. Was ich beitragen kann, ist, diese Menschen mit Respekt zu behandeln und ihnen als Mensch zu begegnen und nicht als ‚Polizeiorgan’ zu einem ‚Flüchtling’.“
(Fred, 33, Polizist)

„Bei der Piccoloflöte bin ich innerlich richtig aggressiv geworden. Die Töne waren sehr hoch, es tat weh in den Ohren. Im Zusammenhang mit den Geschichten, die auch schmerzhaft sind für die jeweiligen Schicksale, war die Musik absolut identisch.“
(Fred, 33, Polizist)

„Die Piccoloflöte zeigte, welche Angst und Schmerzen diese Menschen hatten. Die hohen Töne waren für mich die Gefahr. Die Altflöte machte auch Angst, aber weniger, weil da nicht diese hohen Töne waren.“
(Schülerin aus dem Gymnasium Kirchenfeld)

„Die langen scharfen Töne, die man sich nicht gewohnt ist von der Flöte, verursachten fast Schmerzen in den Ohren, einen physischen Schmerz. Das passte unwahrscheinlich gut zum Text! Das hat für mich einfach gestimmt so, auch wenn Musik hören etwas anderes ist (lacht)!“
(Peter, pensionierter Mathelehrer)

„Solche Musik würde ich normalerweise nicht hören, es bräuchte eine sehr spezielle Stimmung. Ich höre Musik, um mich aufzuheitern oder in Schwung zu bringen, Tempo zu machen, damit der Haushalt schneller erledigt ist, da würde ich eine solche Yun-Musik nicht hören. In Beziehung zu diesen Geschichten ist diese Musik aber ‚100-pro-super’, genau das Richtige.“
(Doris Michel, 44, lebt und arbeitet auf einem Bauernhof)

Kontakt


Um uns zu kontaktieren, verwende bitte das Formular. Wir freuen uns, von dir zu hören!
Name

Email-Adresse

Nachricht