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Fluchtgespräche in der Schule

Diese Projekt stellt Bezüge zu diversen Schulfächern her: Musik, Deutsch, Philosophie, Geschichte und Geografie.

Die Dauer einer Aufführung mit anschliessender Diskussion beträgt 1–2 Lektionen.

Im Unterrichtsfach Musik liegt der Fokus auf dem Komponisten Isang Yun. Ein möglicher Ablauf: Zuerst wird das Projekt vorgestellt und die ProtagonistInnen und der Komponist eingeführt. Dann erfolgt die Performance mit Live-Flöte und Stimmen ab Tonband (Dauer: 25 Minuten). Anschliessend gibt es einen Austausch über das Gehörte. Wir studieren die Partitur, besprechen zeitgenössische Spieltechniken und vergleichen Yun's Komposition für die moderne Querflöte mit Aufnahmen der traditionellen koreanischen Flöten Daegeum und Piri.

Im Deutschunterricht steht die literarische Komponente des Stückes im Vordergrund: Wir besprechen die Entstehung des Textes, das Genre des Hörstücks und speziell die Technik der Übereinanderschichtung von Text und Musik. Es werden Vergleiche mit ähnlichen literarischen Werken gemacht.

In den Fächern Geschichte und Geografie wird die Verbindung zu folgenden geschichtlichen Ereignissen hergestellt: Die Besetzung Koreas von den Japanern im und vor dem Zweiten Weltkrieg, der Koreakrieg und der Kalte Krieg. Das Stück thematisiert die zeitübergreifenden Themen Flucht, Migration und Folter. Es stellt sich ausserdem die Frage, wie Yun und andere SüdkoreanerInnen am helllichten Tag ohne Pass aus Europa nach Seoul entführt werden konnten. Welche Geheimdienste waren beteiligt?

RÜCKMELDUNGEN VON LEHRPERSONEN

Roland Müller-Aebi, Geschichtslehrer am Gymnasium Seefeld: „Ich fand es ausserordentlich spannend. Ich bin solche Musik überhaupt nicht gewöhnt. Aber es muss ja auch keine schöne Musik sein. Es war etwas schrill, das hat man den SchülerInnen angemerkt. Aber dann haben sie den Zusammenhang zwischen der Folter und der Musik hergestellt – etwas Besseres kann ja eigentlich nicht passieren!"

Peter Honegger, Musiklehrer am Gymnasium Kirchenfeld: „Du sagtest vorhin, der Sinn wäre es auch, das Projekt für Gymeler zu machen. Das ist für mich sehr ein taugliches Beispiel, denn es ist soviel von dem drin, was wir gerade in der Theorie durchgenommen haben. Wir haben uns zwar kurze Beispiele Neuer Musik angehört, aber es ist viel eindrücklicher, ein ganzes Stück live zu hören."

RÜCKMELDUNGEN VON SCHÜLERINNEN UND SCHÜLERN

„Mir ist aufgefallen bei allen drei Flöten, dass es so einen misstrauischen Unterton gab. Man traut niemandem, man weiss nicht, was auf einen zukommt, man hört die Angst..."

„Dort wo man zwei Töne gleichzeitig hörte, das hat mir mega gefallen! Der Rest hat mich ziemlich überfordert, aber dies war der Moment, wo es mich schauderte. Es war unheimlich."

„Man hat kein Metrum, keinen Puls gespürt", sagte eine Schülerin nach einem Blick auf die genau notierten Rhythmen in der Partitur.

„Die Musik gefällt mir immer noch nicht. Ich kann es fast nicht hören. Aber im Zusammenhang mit den Geschichten kann man nachvollziehen, weshalb Yun so komponierte, das 'het mi denn rächt guet dünkt'. Und dann merkt man schon, dass es die Musik ist, die passt."

„Man denkt immer, oh moderne Musik, das kann man nicht hören, aber es macht Sinn mit diesen Geschichten, man versteht es."

„Es war wirklich mega schön, also... eindrücklich."

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